Deutschland und Schweiz: IT Einkäufe nehmen leicht zu, Fokus auf Effizienz sowie Initiativen wie Industrie 4.0, Big Data und Fintech

posted 15 Mar 2017, 10:12 by Christoph von Gamm   [ updated 25 Mar 2017, 05:42 ]
München, 28. März 2017 - Einkäufer in der Schweiz und in Deutschland überdenken ihre Entscheidungsprozesse und IT-Investitionen. vonGammCom Global hat daher einige Massnahmen und Richtlinien identifiziert, mit denen CIOs ihre IT-Investitionen optimieren können. 

Da IT-Ausgaben sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland im Jahr 2017 insbesondere für IT-Dienstleistungen und bei der Beschaffung von IT-Hardware- und Software-Technologien nur noch leicht steigen werden, sollten sie deutlich stärker als je zuvor auf ihren Nutzwert überprüft werden. 

Insbesondere sollten Schweizer CIOs 2017 aufgrund der Franken-Stärke direkten wirtschaftlichen Nutzen durch Kostenoptimierungsinitiativen erzielen, jedoch gleichzeitig neue Initiativen unterstützen, zum Beispiel Industrie 4.0 - Fintech und Big Data. Cloud-Lösungen ersetzen zunehmend "on-premise" - Lösungen. Deutsche CIOs - sofern man das überhaupt generalisieren kann - sind inzwischen eher wieder auf Expansion ausgelegt, wobei auf Leichtsinnsausgaben verzichtet werden sollte. 



Kernthemen momentan sind nach einer Umfrage durch vonGammCom Global unter Entscheidern die folgenden Schwerpunkte: 

  1. Ein höherer Wertbeitrag der Informatik am Gesamterfolg des Unternehmens
  2. Fokus auf Kunden und Informatik als Geschäftspartnerin
  3. Verlagerung von Backoffice-Tätigkeiten auf spezialisierte Dienstleister
  4. Auftreten der Informatikabteilung immer mehr als Service Hub
  5. Sicherheit und Verfügbarkeit
  6. Flexibilität, um sich an veränderte Geschäftsverläufe einzustellen
  7. Flexible Arbeitsplätze und Moderne Kommunikationsmittel, um damit besser mit Kunden und Lieferanten zu kommunizieren.

Zu diesen Initiativen gehören Massnahmen für IT-Dienstleistungen, Geschäftsprozess-Optimierungen und IT-Technologien. Insbesondere muss sich ein CIO inzwischen von der Geschäftsleitung, also seinem CEO und seinen Kollegen, dem CFO und Head of Sales ganz neue Fragen gefallen lassen, die vorher vor der Krise gar nicht so auf der Tagesordnung standen. 

Die Hauptthemen, die sich ein CIO vom CEO und der Geschäftsführung stellen lassen muss, sind sieben Kerngebiete, die sich inzwischen viel stärker auf den Endkundennutzen hin bewegen als in Richtung Kostenreduktion – in der Essenz soll der CIO inzwischen mithelfen, den Verkauf voranzubringen: 

Die sieben business-relevanten Fragen in der Informatik: 

1. Hilft uns die Informatik, unseren Kunden mehr zu bieten als die Wettbewerber? – Ziel dieser Überlegung ist es, nachzudenken wie der Aussenwert der Informatik gesteigert werden kann. Was nützt das beste ERP System, wenn der Kunde dennoch keinen Extra Service dadurch hat? Ein Beispiel sind oftmals gute Controlling- und Reportingtools, von denen der Grenznutzen für den Kunden eher gering ist. Mehr Sinn machen im Sinne der Bequemlichkeit ein Kundenportal mit Rechnungs- und Lieferübersicht, eine bequeme Zusammenstellung der einzelnen Verträge und Konditionen und damit letztendlich auch der Anreiz, gleich wieder etwas mehr Geschäft zusammen mit der Firma durchzuführen. 

2. Schafft die Informatik mehr Bequemlichkeit, Komfort und Nutzen für unsere Kunden? Der zweite Punkt ist oft mit der wichtigste. Bequemlichkeit ist in Zeiten wie diesen absolut notwendig, denn Bequemlichkeit ist Zeitersparnis. Punkte wie Single-Sign-On sind zwar für viele Bereiche absolute Selbstverständlichkeiten, jedoch für die meisten Kundenportale noch kaum durchgesetzt. Wichtig sind auch nebst der Endkunden-Bequemlichkeit eine bessere Erreichbarkeit der Informationen, aggregiert über Middleware für die jeweiligen Sachbearbeiter in der Disposition, im Call Center oder am Bankschalter. 

3. Welche neuen Kundensegmente oder Regionen können wir durch die Informatik erreichen? In der Krise wird man erfinderisch. Und typischerweise schafft man neue Umsätze zum einen über Preiserhöhungen, was oft schwer durchsetzbar ist oder über neue Produkte und Dienstleistungen – diese müssen ersteinmal erfunden werden und das dauert oder das Herangehen an neue Kundensegmente oder geographische Regionen. Hierzu sollte der inkrementelle Aufwand so gering wie möglich sein, denn sonst wäre der Grenznutzen schon einmal sehr gering. 

4. Ist unsere Informatik bereit für nutzungsabhängige Preismodelle? Die Informatik selbst sollte darüber nachdenken, ob sie es schafft, schnelle Nachfragen nach neuen Services entsprechend schnell abzubilden. Insbesondere jetzt in der Krise hat sich aber gezeigt, dass die Nachfrage nach Services genauso schnell drastisch sinken kann. Hier sind dann nutzungsabhängige Preismodelle, die mit Providern vereinbart worden sind, von Vorteil. Modelle wären beispielsweise Preis pro wirklich genutzem PC-Desktop pro Monat, oder Preis pro MIPS und Monat im Mainframe-umfeld, Preis pro Gigabyte und Monat, die wirklich genutzt oder als Backup gespeichert wurden oder Preis pro SAPS (die SAP Verrechnungseinheit) und Zeitdauer. Alleine dadurch können Unternehmen in der Krise die Pain ein wenig schneller weitergeben. Und je weniger eigene Mitarbeiter eingesetzt werden müssen für einen Service, desto besser. 

5. Wo kann die Informatik die Eintrittsbarriere gegenüber Wettbewerbern erhöhen? Eine Königsfrage, und sehr wichtig. Hier geht es um die „Client Stickyness“, das heisst wenn einmal der Kunde Kunde ist, wie schaffen es Informatiktools, den Kunden an sich zu binden und zu halten. Eine besondere Verbindung in der Wertschöpfungksette, automatische Anbindung an das Liefer- und Rechnungswesen sind hier Punkte die die Eintrittsbarriere erhöhen können. Ebenso probate Mittel sind Verträge, die schnelles Up- und Crossselling erlauben und die die Informatik entsprechend abbilden kann. Studien zeigen, dass Kunden, die mehrere Services oder Produktkategorien kaufen, weniger schnell zum Mitbewerber wechseln als „Mono-Liner“, d.h. Kunden, die nur eine Service- oder Produktkategorie kaufen – egal in welcher Branche. 

6. Wo kann die Informatik Geschäftsprozesse verschlanken? Ziel der Informatik ist es zu automatisieren und Bequemlichkeit zu schaffen. In den meisten Unternehmen sind die Informatikkosten zwischen 2-6% des Umsatzes oder der Einnahmen, die anderen Kosten, die den Gewinn schmälern jedoch deutlich höher. Und insbesondere die Prozesskosten im Bereich Finanzwesen, Human Resources, Einkauf, aber auch im Bereich Serviceproduktion und Logistik warten darauf, durch die richtigen Tools mehr automatisiert oder zumindest verschlankt zu werden. Nahezu jeder Business Case, der einen positiven Barwert aufzeigt, ist ein guter und hat nachhaltige positve Folgen für das Unternehmen. Und solche Geschäftsprozessverschlakungs-Fälle sollten auch dann realisiert werden, wenn allgemeine IT Kosten eingespart werden sollten. 

7. Wie können wir unsere Informatik billiger machen als die Konkurrenz - und gleichzeitig innovativ bleiben? Die Antwort darauf ist vielschichtig, denn alleine günstiger hilft oft nicht. Gleichwohl gibt es in fast jeder Informatikabteilung Kostensenkungspotenzial, das gehoben werden kann und muss. Verlagerung zu Serviceprovidern die Skaleneffekte nutzen können ist der erste Schritt, kontinuierliche Innovation ist das nächste. Bei der Kostenoptimierung muss allerdings beachtet werden, dass die Massnahmen so durchgeführt werden, dass die IT-Dienstleistungen weiterhin wichtige Aufgaben übernehmen und ausführen können. So ist es wichtig, dass der Internetauftritt einer Firma auch nach den Optimierungsmassnahmen mehr dem Kunden bietet als diejenigen der anderen Wettbewerber. Dabei sollen die Sites so gestaltet werden, dass der Kunde bequem und mit grossem Komfort einen Möglichst grossen Nutzen aus der Site ziehen kann. Die Informatik muss auch nach den Massnahmen neue Kundensegmente oder Regionen erreichen können und bereit sein für nutzungsabhängige Preismodelle. Die Kostenoptimierung soll die Geschäftsprozesse der Informatik verschlanken und somit die Informatik kostengünstiger machen als sie bei der Konkurrenz ist, dabei aber gleichzeitig innovativ bleiben. 

Mehr Informationen und Kontakt: 

  • Dr. Christoph von Gamm
  • Email: christoph.von.gamm[at]von-gamm.com,